Schritt 1: Mit der Schule sprechen
Klassenlehrkraft und ggf. Beratungslehrkraft sind erste Ansprechpartner. Sie kennen das Kind im Schulalltag und können einschätzen, ob die Beobachtungen sich mit dem Schulverhalten decken. Schulinterne LRS-Förderung kann oft schon ohne externe Diagnose starten.
„Die häufigste Frage von Eltern lautet: Hat unser Kind etwas falsch gemacht? Die Antwort ist immer: Nein. Wir müssen nur herausfinden, wie sein Gehirn am besten lernt.“
— aus der Praxis integrativer Lerntherapie
Schritt 2: Schulpsychologie oder Praxis
Schulpsychologische Beratungsstellen sind kostenlos, haben aber Wartezeiten von mehreren Monaten. Alternative: Eine kinder- und jugendpsychiatrische Praxis (KJP) oder eine zertifizierte Lerntherapeut:in. Wichtig ist, dass die Stelle standardisierte, geeichte Testverfahren einsetzt — z. B. SLRT-II, ELFE-II, HRT, ZAREKI.
Schritt 3: Was passiert beim Test?
Üblich sind Lesetests (Tempo + Genauigkeit), Rechtschreibtests, Intelligenztests (zum Ausschluss einer allgemeinen Lernschwäche) und ggf. Aufmerksamkeitstests. Die Tests dauern in Summe 2–4 Stunden, oft auf zwei Termine verteilt. Kinder erleben das selten als „Prüfung“ — gute Diagnostiker:innen gestalten das spielerisch.
Schritt 4: Stellungnahme verstehen
Eine schriftliche Stellungnahme nennt das Testergebnis (Prozentränge, Standardwerte), ordnet es klinisch ein („Lese-Rechtschreib-Störung gemäß ICD-10 F81.0“) und empfiehlt Maßnahmen. Diese Stellungnahme ist die Grundlage für Nachteilsausgleich, Lerntherapie und ggf. Antrag auf Eingliederungshilfe (§ 35a SGB VIII).
Was Sie sich vorab notieren können
Beobachtungen aus dem Alltag (Zeitraum, konkrete Beispiele), Einschätzung der Lehrkraft, frühere Förderversuche, Familiengeschichte (gibt es ähnliches?). Diese Notizen helfen den Diagnostiker:innen enorm — und Ihnen selbst, beim Termin nichts Wichtiges zu vergessen.
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