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Anvido
Symptome erkennen

LRS erkennen: Checkliste für Eltern (Grundschule)

Woran erkenne ich eine LRS bei meinem Kind? Eine Lerntherapeutin erklärt die wichtigsten Anzeichen in der Grundschule – mit Checkliste und konkreten nächsten Schritten.

12. Juni 2026 · 6 Min. Lesezeit
Anvido, das blaue Anvido-Monster, sitzt auf dem Boden vor einem aufgeschlagenen Schulheft und betrachtet aufmerksam die Seite im warmen Nachmittagslicht

Ihr Kind tut sich beim Lesen und Schreiben schwerer als andere, übt und übt – und trotzdem will es nicht recht klappen? Dann taucht früher oder später die Frage auf: Könnte es eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) sein?

Dieser Artikel gibt Ihnen eine verständliche Orientierung: Was LRS eigentlich ist, an welchen Anzeichen Sie sie in der Grundschule erkennen können, was kein verlässliches Zeichen ist – und welche konkreten Schritte sinnvoll sind, wenn sich Ihr Verdacht erhärtet. Am Ende finden Sie eine Checkliste zum Durchgehen.

Die kurze Antwort: Eine LRS zeigt sich nicht an einem einzelnen Fehler, sondern an einem Muster aus anhaltenden Schwierigkeiten beim Lesen und/oder Rechtschreiben, das trotz normaler Begabung und ausreichender Übung über Monate bestehen bleibt. Typisch sind sehr langsames, stockendes Lesen, viele und uneinheitliche Rechtschreibfehler sowie wachsende Frustration. Eine sichere Diagnose stellt aber nur eine standardisierte Testung – diese Checkliste ersetzt sie nicht, sie hilft Ihnen einzuschätzen, ob ein genauerer Blick sinnvoll ist.

Was ist eine LRS überhaupt?

LRS steht für Lese-Rechtschreib-Schwäche (auch Lese-Rechtschreib-Störung; im engeren, entwicklungsbedingten Sinn spricht man von Legasthenie). Gemeint sind anhaltende, deutliche Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und/oder des Rechtschreibens – und zwar nicht, weil ein Kind weniger intelligent wäre, zu wenig geübt hätte oder schlecht unterrichtet würde.

Kinder mit LRS sind genauso klug wie andere. Ihr Gehirn verarbeitet Schriftsprache nur anders, weshalb das Verbinden von Lauten und Buchstaben, das schnelle Worterkennen und das Abspeichern von Schreibweisen schwerer fällt. Mit der richtigen, frühen Förderung lässt sich enorm viel erreichen – deshalb lohnt es sich, genau hinzuschauen.

Anvido steht vor einer großen Checkliste an der Wand und tippt sanft auf ein Kästchen, daneben liegen Holzbuchstaben auf dem Boden

Woran Sie eine LRS erkennen können

Wichtig vorab: Einzelne der folgenden Punkte erlebt fast jedes Kind beim Lesen- und Schreibenlernen. Hellhörig werden sollten Sie, wenn mehrere Anzeichen zusammenkommen, über längere Zeit (Monate, nicht Tage) bestehen und trotz Übung nicht besser werden.

Beim Lesen

  • Ihr Kind liest auch nach viel Übung noch sehr langsam, stockend und mühsam.
  • Es errät Wörter aus dem Zusammenhang, statt sie zu erlesen, und verliest sich häufig.
  • Buchstaben oder Silben werden ausgelassen, hinzugefügt oder vertauscht („Brot" → „Bort").
  • Nach dem Lesen kann Ihr Kind oft nicht wiedergeben, worum es im Text ging – die ganze Energie floss ins Entziffern.
  • Es vermeidet Lesen, wo es nur geht.

Beim Schreiben und in der Rechtschreibung

  • Dasselbe Wort wird im selben Text mal so, mal anders geschrieben – auch geübte Wörter.
  • Es gibt sehr viele Rechtschreibfehler, auch bei einfachen, häufigen Wörtern.
  • Laute werden ausgelassen oder vertauscht; das Geschriebene ist schwer lesbar.
  • Geübte Diktatwörter sitzen kurz danach schon wieder nicht.
  • Das Schreiben kostet auffällig viel Kraft und Zeit.

Im Verhalten und Gefühl

  • Ihr Kind reagiert mit Frust, Wut, Tränen oder Bauch-/Kopfschmerzen, wenn es lesen oder schreiben soll – besonders vor Diktaten oder Hausaufgaben.
  • Es verliert die Lust an der Schule oder sagt Dinge wie „Ich bin zu dumm".
  • Es gibt eine spürbare Schere zwischen der Cleverness Ihres Kindes im Alltag (Erzählen, Logik, Spielen) und seinen schriftlichen Leistungen.

Hinweise aus dem Umfeld

  • In der Familie gibt es bereits LRS oder Legasthenie – eine familiäre Häufung ist gut belegt.
  • Schon im Kindergarten fiel es schwer, Reime zu erkennen, Silben zu klatschen oder Anlaute herauszuhören (frühe Anzeichen einer schwachen phonologischen Bewusstheit).

Anzeichen nach Klassenstufe

  • Klasse 1: Vieles ist noch im Aufbau. Einzelne verdrehte Buchstaben oder Schreibfehler sind normal. Aufmerksam machen sollte eher, wenn das Verbinden von Lauten zu Wörtern gar nicht in Gang kommt.
  • Klasse 2: Jetzt zeigt sich deutlicher, ob sich Lesen und Schreiben automatisieren. Bleiben Tempo und Fehlerzahl weit hinter den Mitschülern zurück, ist das ein ernstzunehmendes Signal.
  • Klasse 3–4: Halten die Schwierigkeiten trotz Förderung an, sollte spätestens jetzt eine fachliche Abklärung erfolgen – auch, damit Ihr Kind rechtzeitig einen Nachteilsausgleich bekommen kann.

Was kein verlässliches Zeichen ist

Hier entstehen die meisten unnötigen Sorgen:

  • Das Verwechseln von b und d allein ist in Klasse 1/2 völlig normal und für sich genommen kein LRS-Kriterium. Mehr dazu im Artikel „Kind verwechselt b und d – ist das normal?".
  • Spiegelverkehrt geschriebene einzelne Buchstaben verlieren sich bei den meisten Kindern von selbst.
  • Ein schlechtes Diktat sagt wenig – es geht immer um das Muster über Wochen und Monate, nicht um den Einzelfall.
  • Langsameres Tempo am Anfang: Kinder lernen unterschiedlich schnell. Ein später Start ist noch keine Schwäche.

LRS wird nie an einem einzelnen Fehlertyp festgemacht, sondern am Gesamtbild – und gesichert nur über standardisierte Tests.

Ihr Verdacht erhärtet sich – was jetzt?

  1. Körperliche Ursachen ausschließen. Lassen Sie Sehen und Hören beim Kinderarzt prüfen. Eine unentdeckte Seh- oder Hörschwäche kann ähnliche Probleme machen.
  2. Das Gespräch mit der Lehrkraft suchen. Wie erlebt sie Ihr Kind im Unterricht? Schule und Elternhaus sehen oft unterschiedliche Ausschnitte.
  3. Eine fachliche Einschätzung holen. Eine erste, niedrigschwellige Orientierung bietet die kostenlose Schriftbild-Analyse von Anvido: Sie laden eine Schreibprobe Ihres Kindes hoch und erhalten eine strukturierte, verständliche Rückmeldung – fachlich geprüft von einer zertifizierten Lerntherapeutin (ausgebildet am Duden Institut für Lerntherapie) und an aktuellen fachlichen Leitlinien orientiert.
  4. Eine sichere Diagnose veranlassen. Diese erfolgt über standardisierte Lese- und Rechtschreibtests – etwa über den schulpsychologischen Dienst, eine kinder- und jugendpsychiatrische Praxis oder eine qualifizierte Lerntherapie. In unserem Verzeichnis qualifizierter Lerntherapeut:innen finden Sie Unterstützung in Ihrer Nähe.
  5. Früh fördern. Je eher die passende Förderung beginnt, desto besser – und desto mehr bleibt die Freude am Lernen erhalten.

Eine LRS ist kein Grund zur Panik und schon gar kein Urteil über die Klugheit Ihres Kindes. Sie ist gut erforscht und sehr gut förderbar. Der wichtigste Schritt ist, hinzuschauen statt zu warten.

Checkliste: Sollte ich genauer hinschauen?

Setzen Sie ein Häkchen bei allem, was über mehrere Monate und trotz Übung zutrifft:

  • ☐ Liest auch nach viel Übung sehr langsam und stockend
  • ☐ Errät Wörter, verliest sich häufig, lässt Buchstaben/Silben aus
  • ☐ Versteht nach dem Lesen oft nicht, worum es ging
  • ☐ Schreibt dasselbe Wort mal so, mal anders – auch geübte Wörter
  • ☐ Macht sehr viele Fehler, auch bei einfachen Wörtern
  • ☐ Geübte Diktatwörter sitzen kurz danach schon wieder nicht
  • ☐ Reagiert mit Frust, Tränen oder Bauchweh auf Lesen/Schreiben
  • ☐ Deutliche Schere zwischen Alltagsklugheit und schriftlicher Leistung
  • ☐ LRS/Legasthenie kommt in der Familie vor
  • ☐ Schon im Kindergarten fielen Reime, Silben oder Anlaute schwer

Mehrere Häkchen? Das ist keine Diagnose – aber ein guter Anlass, eine fachliche Einschätzung einzuholen, statt weiter zu grübeln. Der einfachste erste Schritt: die kostenlose Schriftbild-Analyse.

Häufige Fragen (FAQ)

Ab welchem Alter kann man eine LRS erkennen?

Erste Hinweise zeigen sich oft schon vor der Schule (Schwierigkeiten mit Reimen, Silben, Anlauten). Verlässlich beurteilen lässt sich Lesen und Rechtschreiben aber erst, wenn der Schriftspracherwerb läuft – meist ab der zweiten Klasse. Wichtig ist, anhaltende Schwierigkeiten ernst zu nehmen, statt nur abzuwarten.

Was ist der Unterschied zwischen LRS und Legasthenie?

Die Begriffe werden im Alltag oft gleichbedeutend verwendet. Vereinfacht beschreibt „LRS" anhaltende Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten, während „Legasthenie" meist die entwicklungsbedingte, häufig familiär gehäufte Form meint. Für die Förderung Ihres Kindes ist die Unterscheidung weniger entscheidend als ein früher Start.

Kann ich eine LRS selbst zu Hause testen?

Eine sichere Diagnose erfordert standardisierte Tests durch Fachleute. Sie können zu Hause aber gut beobachten und mit einer Checkliste einordnen, ob ein genauerer Blick sinnvoll ist. Eine erste fachlich geprüfte Orientierung bietet die kostenlose Schriftbild-Analyse von Anvido.

Wächst sich eine LRS aus?

Nein, eine LRS verschwindet nicht von allein – aber mit gezielter, früher Förderung lernen Kinder sehr gut, damit umzugehen, und holen oft deutlich auf. Je früher die Unterstützung beginnt, desto besser.

An wen wende ich mich für eine Diagnose?

Mögliche Anlaufstellen sind der schulpsychologische Dienst, kinder- und jugendpsychiatrische Praxen sowie qualifizierte Lerntherapeut:innen. In unserem Verzeichnis finden Sie Fachkräfte in Ihrer Nähe.

Fachlich geprüft von Jana Sood, DUDEN-zertifizierte Lerntherapeutin (Duden Institut für Lerntherapie). Anvido unterstützt Familien mit Kindern in der Grundschule – mit kostenloser Schriftbild-Analyse, liebevoll gestalteten Übungsheften und einem Verzeichnis qualifizierter Lerntherapeut:innen.