Was kostet eine Lerntherapie im Monat – und wie lange dauert sie wirklich?
Sie fragen genau richtig — und verdienen eine ehrliche Zahl statt „kommt darauf an": Eine lerntherapeutische Einzelstunde kostet je nach Region und Qualifikation etwa 40–70 €, üblich ist eine Stunde pro Woche. Eine wirksame Therapie dauert selten unter einem Jahr, realistisch sind 1,5–2 Jahre. Als Monatsbudget heißt das grob 160–280 €, aufs Ganze gerechnet 2.500–6.000 €. Das ist viel Geld — deshalb gleich die Entlastung: Sie müssen das nicht zwingend allein tragen. Als Alleinerziehende mit Teilzeiteinkommen haben Sie realistische Chancen auf zwei Wege: die Jugendamts-Finanzierung nach §35a (einkommensunabhängig! — es zählt die Belastung des Kindes, nicht Ihr Gehalt) und ergänzend das Bildungs- und Teilhabepaket, falls Sie Wohngeld, Kinderzuschlag oder ähnliche Leistungen beziehen. Mein Rat zur Reihenfolge: Erst die Finanzierungsfrage klären, dann mit Ihrer Tochter über Therapie sprechen. So machen Sie ihr keine Hoffnung, die vom Geld abhängt — sondern erst dann, wenn der Weg steht.
Woraus sich der Preis zusammensetzt
Die Spanne von 40 bis 70 € ist kein Zufall, sondern bildet vier Faktoren ab. Qualifikation: Eine akademisch ausgebildete Lerntherapeutin oder ein Lerntherapeut (M.A. oder vergleichbar) liegt über einer angelernten Nachhilfekraft — der Unterschied zeigt sich in Diagnostik und Förderplan, nicht nur im Preis. Setting: Einzelförderung kostet mehr als eine Kleingruppe (dort eher 25–40 €), ist bei ausgeprägter Rechenschwäche aber meist die wirksamere Wahl. Ort: In Großstädten liegen die Sätze spürbar über denen auf dem Land; Online-Förderung ist oft etwas günstiger und spart Fahrtwege. Umfang: Manche Anbieter rechnen 45, andere 60 Minuten ab — fragen Sie immer nach dem Preis pro tatsächlicher Fördereinheit.
Die Kostenrechnung transparent
Rechnen wir es ehrlich durch, mit einem mittleren Satz von 55 € und einer Stunde pro Woche: Bei rund 42 Förderwochen im Jahr (Ferien fallen weg) sind das etwa 2.300 € pro Jahr, über 18 Monate rund 3.500 €. Dazu kommt, was in keinem Flyer steht: die Eingangsdiagnostik (einmalig ca. 150–400 €, falls sie nicht ohnehin beim Kinder- und Jugendpsychiater erfolgt), Elterngespräche (oft, aber nicht überall inklusive) und bei Terminen vor Ort die Fahrtkosten. Kalkulieren Sie also eher 4.000 € als 3.000 € — dann gibt es nur noch angenehme Überraschungen.
Beide Entlastungswege konkret
Weg 1 — § 35a SGB VIII: Kinder- und Jugendpsychiater stellt die Diagnose → Sie beantragen (formlos, schriftlich) Eingliederungshilfe beim Jugendamt → Schule und Fachleute liefern Stellungnahmen → das Amt prüft, ob durch die Rechenschwäche eine seelische Beeinträchtigung droht oder besteht. Wird bewilligt, übernimmt das Jugendamt die Therapiekosten; ambulante Hilfen sind kostenbeitragsfrei — Ihr Teilzeiteinkommen spielt keine Rolle. Bei Ablehnung lohnt der Widerspruch binnen eines Monats fast immer.
Weg 2 — Bildungs- und Teilhabepaket: Beziehen Sie Wohngeld, Kinderzuschlag oder Bürgergeld, kann Lernförderung über eine Bestätigung der Schule beantragt werden. Der Umfang ist begrenzter als bei § 35a, dafür ist die Bewilligung deutlich schneller — als Überbrückung wertvoll.
Was gar nichts kostet
Zehn Minuten am Tag schlagen jede teure Stunde, die erst in drei Monaten beginnt: Würfelbilder blitzschnell erkennen, Zahlen zerlegen mit Steinen unter der Hand, lautes Mitsprechen beim Rechnen. Unsere kostenlosen Lernspiele — etwa Zahlen-Freunde für Zahlenpaare oder Zehnerstopp für den Zehnerübergang — sind genau dafür gebaut, ohne Zeitdruck und ohne Strafpunkte. Das ersetzt keine Lerntherapie, aber es überbrückt die Wartezeit sinnvoll und zeigt Ihrer Tochter: Rechnen darf sich wieder nach Können anfühlen.
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Frage stellenJanas Antworten geben pädagogische Orientierung aus der lerntherapeutischen Arbeit. Sie ersetzen keine Diagnose und keine medizinische oder psychologische Beratung. Eine fundierte Abklärung leisten Fachstellen und Lerntherapeut:innen vor Ort.