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Anvido
Übungen für zuhause

5 LRS-Übungen für die 3. Klasse — mit kostenlosem PDF

Fünf erprobte LRS-Übungen für die 3. Klasse: Silbenbögen, Wortbausteine, Merkwort-Kartei und Blitzlesen — in 10 Minuten am Tag, mit Gratis-PDF.

Anvido kniet am niedrigen Wohnzimmertisch vor fünf ausgebreiteten Übungskärtchen und einem Stift

Halb fünf am Nachmittag, der Küchentisch ist mal wieder Übungszone. Ihr Kind liest denselben Satz zum dritten Mal, stockt bei „Geburtstagsgeschenk", rät, seufzt. Im Heft daneben steht „Fater" – dabei haben Sie genau dieses Wort doch erst letzte Woche geübt. Sie möchten helfen, aber jeder Übungsversuch fühlt sich an wie Tauziehen: Sie ziehen, Ihr Kind stemmt sich dagegen, und am Ende sind beide erschöpft.

In der 3. Klasse wird eine Lese-Rechtschreib-Schwäche oft besonders sichtbar. Die Texte werden länger, die Wörter komplizierter, das Tempo steigt – und was in Klasse 2 noch als „braucht eben etwas länger" durchging, wird jetzt zum täglichen Kraftakt. Typisch für diese Stufe: Das lautgetreue Schreiben sitzt noch nicht sicher, Merkwörter wollen nicht haften, das Lesen bleibt langsam und stockend. Und mit jeder frustrierenden Übungsrunde sinkt die Lust weiter.

Dieser Artikel stellt Ihnen fünf Übungen vor, die genau an diesen Punkten ansetzen: lerntherapeutisch fundiert, für zu Hause gemacht und in fünf bis zehn Minuten erledigt – jede mit Ziel, Material, Schritt-für-Schritt-Ablauf und Varianten zum Anpassen.

Damit Sie nichts abschreiben müssen: Die 5 Übungen als PDF herunterladen – ausdrucken, an den Kühlschrank hängen, loslegen.

Bevor Sie starten: drei Regeln, die wichtiger sind als jede Übung

Kurz schlägt lang. Fünf bis zehn Minuten täglich bringen mehr als eine Stunde am Sonntag. Lesen und Rechtschreiben automatisieren sich über viele kleine Wiederholungen – nicht durch einen Wochenend-Marathon, der vor allem Erschöpfung und schlechte Laune hinterlässt.

Üben Sie nie mit leerem Tank. Direkt nach den Hausaufgaben ist die Konzentration verbraucht. Suchen Sie einen Moment, in dem Ihr Kind aufnahmefähig ist – nach einer Pause, nach dem Toben draußen, vielleicht vor dem Abendessen. Und wenn heute gar nichts geht: Ausfallen lassen ist ausdrücklich erlaubt. Erzwungenes Üben trainiert nur eines zuverlässig – die Abneigung.

Machen Sie Fortschritte sichtbar. Kinder mit LRS erleben jeden Tag, was noch nicht klappt. Die folgenden Übungen sind deshalb so gebaut, dass Erfolge greifbar werden: Karten wandern, Stapel wachsen, Fälle werden gelöst. Wenn das gemeinsame Üben bei Ihnen trotzdem regelmäßig in Tränen endet, finden Sie hier Entlastung: Üben endet im Streit – was tun?

Die fünf Übungen

Alles, was Sie brauchen: Papier, Stifte, Karteikarten – und ein Kind, das gerade nicht erschöpft ist.

Übung Das trainiert sie Dauer
1. Silbenbögen schwingen und lesen flüssiger lesen statt raten 5–10 Min
2. Wortbaustein-Werkstatt Rechtschreibung durch Wortbausteine entlasten 5–10 Min
3. Merkwort-Kartei mit drei Fächern schwierige Wörter dauerhaft sichern 5 Min
4. Detektivspiel: Verlängern und Ableiten Rechtschreibstrategien selbst anwenden 5–10 Min
5. Blitzlesen mit Häufigkeitswörtern Leseflüssigkeit und Tempo 5 Min

1. Silbenbögen schwingen und lesen

Ziel: Lange Wörter wirken auf viele Kinder wie eine undurchdringliche Buchstabenkette – also raten sie. Silben zerlegen das Wort in sprechbare Portionen. Wer in Silben liest, liest genauer und wird dabei Schritt für Schritt flüssiger.

Material: Der aktuelle Lesetext oder sechs bis acht Wörter daraus, groß auf ein Blatt geschrieben; ein Bleistift.

Ablauf:

  1. Ihr Kind spricht das erste Wort langsam und deutlich und schwingt dabei zu jeder Silbe einen großen Bogen mit dem Arm: „Ge-burts-tag" – drei Schwünge.
  2. Danach zeichnet es unter das Wort für jede Silbe einen Bleistiftbogen.
  3. Nun wird silbenweise gelesen: erst jede Silbe einzeln, dann das ganze Wort in einem Zug.
  4. Zum Schluss liest Ihr Kind den Satz, aus dem die Wörter stammen – meist schon merklich runder als vorher.

Dauer: 5–10 Minuten, sechs bis acht Wörter. Mehr nicht.

Anvido balanciert über eine Reihe von Trittsteinen, die wie Silbenbögen geschwungen sind

Leichter: zweisilbige, lautgetreue Wörter (Ro-se, Ta-fel), und Sie schwingen gemeinsam. Schwerer: drei- und viersilbige Wörter aus dem Sachunterricht; Ihr Kind setzt die Bögen in einem kurzen Absatz selbst und liest ihn anschließend laut vor.

2. Die Wortbaustein-Werkstatt

Ziel: Wörter bestehen aus Bausteinen, die fast immer gleich geschrieben werden: „ver-" immer mit v, „-heit" immer mit h. Wer diese Bausteine kennt, muss nicht mehr jedes Wort Buchstabe für Buchstabe neu zusammensetzen – das entlastet die Rechtschreibung spürbar.

Material: Karteikarten oder Papierschnipsel in drei Farben, Stifte. Auf die erste Farbe kommen Vorsilben (ver-, vor-, be-), auf die zweite Wortstämme (kauf, such, fahr, krank), auf die dritte Nachsilben (-en, -er, -ung, -heit).

Ablauf:

  1. Schreiben Sie die Kärtchen beim ersten Mal gemeinsam – auch das ist bereits Schreibübung.
  2. Ihr Kind legt Bausteine aneinander und liest laut, was entsteht: ver + kauf + en?
  3. Gemeinsam entscheiden: echtes Wort oder Quatschwort? „Verkaufen" ja, „Krankung" nein – über Quatschwörter darf herzlich gelacht werden.
  4. Jedes echte Wort kommt auf eine Fundliste. Wie viele findet Ihr Kind heute?

Dauer: 5–10 Minuten pro Werkstattrunde.

Leichter: nur eine Vorsilbe und drei Stämme; Sie bauen vor, Ihr Kind liest und prüft. Schwerer: Ihr Kind sucht in einem Schulbuchtext selbst Wörter mit „ver-" oder „-ung" und zerlegt sie in ihre Bausteine.

3. Die Merkwort-Kartei mit drei Fächern

Ziel: Merkwörter – Wörter, deren Schreibung man weder hören noch ableiten kann – sichern sich nicht durch einmaliges Pauken, sondern durch Wiederholung mit wachsenden Abständen. Genau das leistet die Kartei.

Material: Ein Kasten mit drei Fächern (ein Schuhkarton mit zwei Pappwänden reicht völlig), Karteikarten, bunte Stifte. Hinein kommen fünf Wörter, die Ihrem Kind tatsächlich schwerfallen – aus den eigenen Heften, nicht aus einer fremden Liste.

Ablauf:

  1. Ihr Kind schaut sich ein Wort genau an und markiert die schwierige Stelle farbig, etwa das v in „viel".
  2. Karte umdrehen, Wort aus dem Kopf schreiben, dann Buchstabe für Buchstabe vergleichen.
  3. Richtig geschrieben? Die Karte wandert ein Fach weiter. Fehler? Freundlich zurück in Fach 1 – ohne Kommentar, ohne Drama.
  4. Fach 1 ist täglich dran, Fach 2 jeden zweiten oder dritten Tag, Fach 3 einmal pro Woche.
  5. Wer Fach 3 zweimal fehlerfrei übersteht, wird feierlich entlassen – der Stapel der gekonnten Wörter darf sichtbar auf dem Regal wachsen.

Erklären Sie Ihrem Kind die Logik ruhig offen: Wörter, die schon gut sitzen, dürfen sich länger ausruhen; Wörter, die noch wackeln, brauchen tägliches Training – wie Muskeln. So ist das Weiterwandern der Karten kein Test, sondern ein Aufstieg.

Dauer: 5 Minuten täglich. Diese Übung lebt von der Regelmäßigkeit, nicht von der Länge.

Leichter: nur drei Wörter gleichzeitig, Merkstellen gemeinsam groß und bunt gestalten. Schwerer: bis zu sieben Wörter, und zu jedem geschriebenen Wort sagt Ihr Kind einen kurzen Satz.

4. Verlängern und Ableiten: das Detektivspiel

Ziel: Am Ende von „Hund" hört man ein t – geschrieben wird ein d. Solche Fallen lassen sich lösen, ohne jedes Wort einzeln zu merken: durch Verlängern (Hund → Hunde) und Ableiten (fährt → fahren). Beide gehören zu den bewährten Rechtschreibstrategien, die viele Schulen etwa unter dem Namen FRESCH vermitteln – hier trainieren Sie sie spielerisch.

Material: Karteikarten mit fünf „verdächtigen Wörtern" (Hund, Korb, Berg, fährt, Bäume), Stift und Papier – und wer mag, eine Spielzeuglupe für das echte Detektivgefühl.

Ablauf:

  1. Ihr Kind zieht eine Karte und benennt den Verdacht: „Ich höre am Ende ein p – aber schreibt man das auch so?"
  2. Jetzt wird der Beweis gesucht: das Wort verlängern („der Korb – die Kör-be") oder ein verwandtes Wort finden („fährt – fahren").
  3. Das Beweiswort wird auf die Karte geschrieben, der überführte Buchstabe farbig markiert.
  4. Fall gelöst – nächste Karte.

Dauer: 5–10 Minuten, etwa fünf Fälle.

Leichter: Sie bieten zwei Beweiswörter zur Auswahl an, Ihr Kind wählt das richtige. Schwerer: Ihr Kind durchsucht einen Lesetext selbst nach verdächtigen Wörtern und legt eine eigene Fallkartei an.

5. Blitzlesen mit Häufigkeitswörtern

Ziel: Kleine Wörter wie „der", „und", „aber" füllen einen großen Teil jedes Textes. Wer sie auf einen Blick erkennt, statt sie jedes Mal neu zu erlesen, gewinnt Tempo – und behält Konzentration für die wirklich schweren Wörter übrig.

Material: Zehn bis fünfzehn häufige Funktionswörter, mit dickem Stift gut lesbar auf Karten geschrieben: der, die, das, und, ist, ein, nicht, auch, aber, wenn, dann, noch.

Ablauf:

  1. Karten mischen. Sie zeigen jede Karte nur ganz kurz – etwa eine Sekunde.
  2. Erkennt Ihr Kind das Wort sofort, kommt die Karte auf den Blitzstapel.
  3. Muss es überlegen, wandert die Karte kommentarlos zur Seite.
  4. Die zur Seite gelegten Karten schauen Sie am Ende gemeinsam in Ruhe an – dann folgt die nächste Blitzrunde.
  5. Zwei bis drei Runden, mehr nicht. Der Blitzstapel wächst von Tag zu Tag – das darf gefeiert werden.

Dauer: 5 Minuten.

Leichter: mit sechs Wörtern starten und die Karten länger zeigen. Schwerer: neue Wörter aufnehmen oder Zweiergruppen blitzen („und dann", „auf dem").

Wenn Üben allein nicht reicht: Abklärung statt mehr Druck

Vielleicht kennen Sie den Gedanken: „Wir müssen einfach noch mehr üben." Eine Zeit lang stimmt das oft – aber nicht immer. Wenn Ihr Kind über Monate regelmäßig und entspannt übt und trotzdem kaum Boden gewinnt, wenn jedes Diktat ein Kampf bleibt oder Sätze fallen wie „Ich bin einfach zu dumm", dann ist die Antwort nicht mehr Druck und nicht die sechste Übung. Dann ist es Zeit, genauer hinzuschauen.

Eine Lese-Rechtschreib-Schwäche hat nichts mit Faulheit oder mangelnder Intelligenz zu tun – betroffene Kinder strengen sich meist mehr an als ihre Klassenkameraden, nicht weniger. Was dahintersteckt und welche Unterstützung es gibt, erklärt unser Überblick zu Legasthenie und LRS. Und wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Beobachtungen für eine Abklärung sprechen, hilft die kostenlose Erste Einschätzung: rund fünf Minuten, Fragen zu Ihren Alltagsbeobachtungen, am Ende eine ehrliche Einordnung – keine Diagnose, aber eine Entscheidungshilfe.

Ihre nächsten Schritte

  1. Heute: Die 5 Übungen als PDF herunterladen, ausdrucken und Ihr Kind eine Übung auswählen lassen – selbst wählen zu dürfen wirkt oft Wunder.
  2. Diese Woche: ein festes Fünf-Minuten-Fenster finden, das nicht direkt nach den Hausaufgaben liegt. Karteikasten basteln, erste Karten schreiben.
  3. Für Abwechslung: In unseren kostenlosen Arbeitsblättern finden Sie weiteres Übungsmaterial zum Ausdrucken, und die kostenlosen Lernspiele im Browser trainieren ähnliche Fähigkeiten – fühlen sich aber nach Spielen an, nicht nach Schule.
  4. Wenn die Sorge bleibt: die Erste Einschätzung machen und das Ergebnis mit ins nächste Elterngespräch nehmen.

Häufige Fragen zu LRS-Übungen in der 3. Klasse

Wie oft und wie lange sollten wir üben?

Kurz und regelmäßig: fünf bis zehn Minuten an möglichst vielen Tagen der Woche. Diese Dosis wirkt besser als seltene lange Einheiten, weil sich Lesen und Rechtschreiben über viele kleine Wiederholungen automatisieren. Fällt ein Tag aus, ist das kein Beinbruch – entscheidend ist, dass die kurze Übungszeit ein verlässliches, entspanntes Ritual bleibt.

Helfen die Übungen auch ohne LRS-Diagnose?

Ja. Alle fünf Übungen folgen Prinzipien, die jedem Kind beim Lesen- und Schreibenlernen helfen: Silben gliedern, Wortbausteine nutzen, Strategien anwenden, häufige Wörter automatisieren. Sie schaden also nicht, wenn sich später herausstellt, dass keine LRS vorliegt. Besucht Ihr Kind bereits eine Lerntherapie, sprechen Sie das häusliche Üben kurz mit der Fachkraft ab, damit beides zusammenpasst.

Ersetzen diese Übungen eine Lerntherapie?

Nein. Häusliches Üben kann eine fachliche Förderung ergänzen, aber nicht ersetzen – vor allem dann nicht, wenn die Schwierigkeiten ausgeprägt sind oder das Selbstwertgefühl bereits leidet. Eine Lerntherapie arbeitet diagnostisch fundiert am individuellen Profil Ihres Kindes; die Übungen aus diesem Artikel halten das Gelernte im Alltag lebendig und geben Ihnen als Eltern eine sinnvolle, entspannte Rolle.

Was mache ich, wenn mein Kind nicht üben will?

Prüfen Sie zuerst den Zeitpunkt: Ein erschöpftes Kind kann nicht wollen. Dann die Form: Lassen Sie Ihr Kind aus den fünf Übungen wählen – Spielformate wie das Detektivspiel oder das Blitzlesen fühlen sich weniger nach Schule an. Hilft das nicht, nehmen Sie bewusst den Druck heraus und pausieren Sie ein paar Tage; mehr dazu unter Üben endet im Streit – was tun?

Passen die Übungen auch für Klasse 2 oder 4?

Ja, über die Varianten. Für Klasse 2 wählen Sie durchgehend die leichteren Formen: kürzere, lautgetreue Wörter, mehr gemeinsames Arbeiten, längere Zeigezeiten beim Blitzlesen. In Klasse 4 machen die schwereren Varianten die Übungen anspruchsvoller – längere Wörter, eigene Fallkarteien, selbst gefundene Wortbausteine. Entscheidend ist nicht die Klassenstufe, sondern dass Ihr Kind etwa vier von fünf Aufgaben schafft: fordernd, aber nicht frustrierend.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder lerntherapeutische Beratung. Anvido ist kein Medizinprodukt und stellt keine medizinische Diagnose.